RedDot: Verschwindet der Marktführer vom Markt?
In einem aktuellen Beitrag zum Thema „Chaos Content Management: Is RedDot Dead?“ fragt sich Jörn Bodemann, CEO des ECMS-Herstellers e-Spirit AG aus Dortmund, welche Zukunft das Content-Management-System RedDot in Zukunft innerhalb des Produktportfolios von OpenText haben wird.
Fakt ist, dass seit der Übernahme von RedDot durch die amerikanische Open Text Corporation, zunächst eine Migration der Altsysteme Gauss auf die neue OpenText Websolution empfohlen wurde. Diese Situation hat sich im Mai dieses Jahres grundlegend geändert: Denn da gab Open Text die Übernahme eines weiteren CMS-Herstellers bekannt. Seither zählt auch Vignette zum Produktportfolio von OpenText, eine der weltweit „größten und bekanntesten Marken“ im Bereich Content Management.
Nun wird im Umfeld von RedDot über die Zukunft der in Deutschland weit verbreiteten CMS-Lösung diskutiert. Im unabhängigen RedDot CMS Blog wird bereits die Vermutung geäußert, dass nach der nächsten Version 10.1 von RedDot Schluss sein wird und anschließend die beiden Systeme RedDot und Vignette verschmolzen werden.
Die Marke RedDot wird vom Markt verschwinden, beziehungsweise, sie ist es bereits. Durch die Umbenennung von RedDot in OpenText WebSolutions wurden die Anwender und Kunden in den letzen Monaten an den neuen Namen gewöhnt. Es wird vermutlich auch eine andere technische Plattform folgen und damit die einstige Erfolgsgeschichte des Oldenburger CMS-Anbieters abschließen. Für zahlreiche Kunden steht nun die Frage der Migration im Raum: Macht ein Umstieg auf das geplante „VignetteDot“ Sinn? Oder sollten Alternativen gesucht werden?
geschrieben von Matthias Steinforth am 16. September 2009 in der Rubrik Produkte, Szene
Ich bin einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der kernpunkt GmbH und für den Bereich Marketing und Vertrieb zuständig. Zu meinen Schwerpunkten zählen die Themen Web 2.0, Content-Management und SEO.














Jens Büscher schrieb am 30. September 2009 um 14:14 #
Als ehemaliger Product Manager WCMS von RedDot bedauere ich die aktuelle Entwicklung, die ich seit meinem Verlassen des Unternehmens RedDot betrachten muss. Ich verfolge derzeit auch die Strategie von OpenText mit einem “weinenden Auge”.
In Anbetracht diverser Gespräche mit Partnern und ehem. Mitarbeitern lässt sich erahnen, dass RedDot, jetzt OpenText Web Solutions (OTWS), als innovatives Produkt leider schon lange seine Vorherschaft verloren hat. Es ist insbesondere schade, da das Label und der Produktgedanke von RedDot einzigartig waren und mit den richtigen Innovationen und Führungspersönlichkeiten dauerhaft seine Marktführerschaft bestätigt hätte. Für mich ist dies seit dem Aufkauf, zuerst durch Hummingbird und dann OpenText, verloren gegangen – meine persönliche Meinung. Wichtige Trends, Technologien und Innovationen sind meines Erachtens nicht konsequent angepackt und fortgeführt worden. Dies gelingt aber (unabhängig von RedDot) auch nicht jedem Unternehmen. Vor allem nicht, wenn es in eine größere Unternehmens- und Softwarestruktur integriert werden muss. Es gibt auf dem ECM Markt auch andere gleichartige Beispiele.
Ich würde eine Aussage zur “Portierung” von OTWS Projekten in ein neues Vignette Produkt für “sehr anspruchsvoll” halten. Man darf ja nicht nur das WCMS betrachten, sondern auch die technisch komplexe dynamische Auslieferungs-Engine (ehem. Live Server). Und ganz ehrlich: Welches Unternehmen würde seinen hunderten Kunden sagen, dass die Produktentwicklung beendet ist und ein hoffentlich irgendwann neues, kompatibles Produkt erscheint? Das wäre in Anbetracht der Hunderten laufenden Serviceverträge strategisch mehr als unklug. Interessant wäre, was die Kunden der bereits geschluckten WCM Anbieter in der OpenText Gemeinde dazu sagen? Was ist mit den Produkten nach 3-4 Jahren passiert? Wie viele Projekte wurden auf die OTWS portiert?
Der Mitbewerb wird sich die Chance nicht entgehen lassen, die Kunden von einem Umstieg auf neue flexible und dynamische WCM/ECM Systeme/Unternehmen zu überzeugen. Diese Unternehmen haben nicht nur dauerhaft strategische und innovative Motivation (wie es früher auch bei RedDot der Fall war), sondern bieten dem Kunden einen engeren und persönlichen Support.
Schlimm für uns, mit 6 Jahren noch als “Neu” zu definierendes Unternehmen, ist es, dass ich mich jeden Tag bei Interessenten rechtfertigen muss (trotz gutem Umsatz, schwarzer Zahlen, etc), ob es eine ECM Firma wie DocuPortal in 2-3 Jahren “noch gibt” – und ich sehe, wie die großen, scheinbar stabilen Unternehmen weggekauft und eingestampft werden.
Es ist schade, aber für mich ist eines der ganz großen, treibenden WCM Produkte verloren gegangen. Dies aber schon seit Jahren und nicht erst durch das Relabeling. Es ist insbesondere schade für ein eindrucksvolles, leistungsbereites Team, mit dem RedDot auch im Innern verbunden war, denn hieraus hat sich der Spirit und die Energie für dieses tolle Produkt entwickelt.
Aber es kommen neue WCM Anbieter, die es lohnt, sich zu betrachten – solange diese nicht auch wieder aufgekauft werden ;)
Grüße aus dem sonnigen Bremen
Jens Büscher